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Zur Vision eines Kulturerbes der Traditionellen (historischen) Bewässerung in Europa

 

von Christian Leibundgut, Dezember 2012

Die historischen Wassernutzungen aus der Zeit vor der großen Industrialisierung haben erfahrungsgemäß etwas Faszinierendes an sich. Bekannte Zeugen sind Mühlen und Hammerschmieden oder historische Brunnen hinter denen oft mythische Quellen stehen, sowie alte Bewässerungsanlagen. Ein Kennzeichen dieser historischen Wassernutzungen ist deren Verflechtung untereinander. So wurden die gleichen Wasser oft zum Beispiel für den Betrieb von Wasserkraftanlagen und anschliessend zur Bewässerung eingesetzt. Während die technischen Elemente wie historische Wasserkraftanlagen gut dokumentiert sind, fehlt eine umfassende, synthetische und vergleichende Dokumentation für die historische europäische Bewässerung. Der rasche Zerfall der Traditionellen Bewässerungssysteme in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ließ nur noch wenige intakte oder noch rehabilitierbare historische Bewässerungs-Kulturlandschaften übrig. Es laufen daher Bemühungen mit dem Kern dieser noch bestehenden Bewässerungsanlagen, das weitere Wassernutzungen beinhaltet, ein Kulturerbe für Europa zu bewahren.

 

Das kulturelle Erbe der «Traditionellen Bewässerung» in Europa

Unter Traditioneller Bewässerung wird die Bewässerung in Technik und Organisation verstanden wie sie vor dem Einführen moderner Techniken (Sprinkler, Tropfenbewässerung) und der Aufgabe der alten Organisationsstrukturen (Genossenschaften, Gemeindewesen) in Europa betrieben wurde. Die Traditionelle Bewässerung als alte landwirtschaftliche Nutzungsform hat aus ökonomischer Sicht weitgehend ausgedient. Hingegen stellen die letzten Bewässerungssysteme ein wertvolles Kulturerbe einer vergehenden landwirtschaftlichen Nutzungsform dar, die über ganz Europa verbreitet war. Es gilt diese jetzt im Rahmen von Kulturerben (national bis Weltkulturerbe) unter Schutz zu stellen und ganz oder teilweise zu erhalten. ...mehr (Abriss: was wird unter Traditioneller Bewässerung verstanden ?)

Parallel dazu sollte im Interesse der ganzheitlichen Erhaltung dieser Kulturlandschaftsdenkmäler auch die dazugehörige Überlieferung,  das damit verbundene "alte Wissen", als immaterielles Kulturerbe geschützt werden. In wenigen Jahren wird es sonst zu spät sein. Als europäisches Kulturerbe soll ein Netzwerk von typischen und soweit möglich intakten Bewässerungsgebieten in Vorschlag gebracht werden. Allmählich wächst in einigen Regionen das Bewusstsein um das Kulturerbe, und neue Gedanken zu einer Wiederbelebung der alten Wässersysteme werden entwickelt. Der Prozess vom Erkennen des Problems bis zur Schaffung eines schlüssigen Konzepts für ein Kulturerbeprojekt der wichtigsten Objekte in Europa bedarf einer grundlegenden Kenntnis und Dokumentation der Traditionellen Bewässerung. Ein Projekt dazu ist seit einigen Jahren im Gange.

In Europa sind zurzeit immerhin über 60 potentielle Gebiete / Objekte schutzwürdiger Traditioneller Bewässerungssysteme in folgenden Ländern bekannt und dokumentiert: Portugal, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien, England, Niederlande, Schweiz,  Österreich, Rumänien, Deutschland, Schweden und Norwegen (vgl. Karte unten). Die Vielfalt der Europäischen Bewässerungssysteme ist damit  gut abgedeckt. Von diesen potentiellen Objekten sind 21 Objekte von besonderer Schutzwürdigkeit. In diesen Gebieten sind Rehabilitationsprojekte bereits in Planung oder verwirklicht. Einige stehen bereits unter regionalem Schutz. Diese Gebiete stellen den Kern des Netzwerkes dar und werden entsprechend bearbeitet.

 

europakarte 2016

Übersichtskarte zur Traditionellen Bewässerung in Europa nach Leibundgut & Vonderstrass 2016*,
zum Verzeichnis der einzelnen nummerierten Bewässerungsvorkommen/-gebiete


Siehe auch

 

 


* LEIBUNDGUT CH., VONDERSTRASS, I. (2016): Traditionelle Bewässerung - ein Kulturerbe Europas. Buchwerk in 2 Bänden. Verlag Merkur Druck AG, Langenthal, CH.

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