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Buchkapitel «Traditionelle Bewässerung in Europa mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands» (Einleitung)

Erschienen in P. Keller (Hrsg.): Die Queichniederung – Porträt einer Landschaft, Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz Beiheft 45, 107-143. Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. (GNOR), Landau, 2013.

von Christian Leibundgut & Irene Kohn

Anlagen zur Traditionellen Bewässerung waren seit der Frühzeit über den gesamten europäischen Kontinent hinweg anzutreffen. Heute ist der größte Teil dieser traditionellen Anlagen kaum noch rekonstruierbar und nur sehr lückenhaft dokumentiert. Der Beitrag will die Queichwiesen-Bewässerung in den Kontext der europäischen Wiesenbewässerung einordnen. Dazu wird eine kartographische Übersicht über die traditionelle Bewässerung in den unterschiedlichen Regionen Europas gegeben. Es ist eine aktualisierte Bestandsaufnahme mit Erläuterungen, dargestellt in einer Übersichtskarte für den europäischen Raum. Den deutschen Vorkommen wird in einer größer-maßstäblichen Übersichtskarte für Deutschland, als einem vergleichsweise gut dokumentierten Gebiet, eine vertiefte Betrachtung gewidmet.

Die traditionelle Bewässerung wurde – besonders in der deutschsprachigen Literatur – meist unter “Wiesenbewässerung“ behandelt. Es zeigte sich aber mit zunehmender Datenaufnahme, dass der Begriff “Traditionelle Bewässerung“ zutreffender ist. Tatsächlich wurde und wird die Bewässerung von Wiesen, Ackerland, Obsthainen, Gärten und Rebbergen (Wingerts) oftmals kombiniert als Feldbewässerung wie auch in Wechselwirtschaft durchgeführt. Dies gilt besonders für die innermontanen Trockentäler und die trockeneren Gebiete Südeuropas. Dagegen herrschte in den Bewässerungssystemen der Gebirgsvorländer und der Tiefländer sowie in den klassischen Grünfutterproduktions-Räumen der mitteleuropäischen Mittelgebirge die reine Wiesenbewässerung vor. Die noch bewässerten Flächen an der Queich, im Vorland des Mittelgebirgsraumes Pfälzer Wald, sind heute ein Wiesenbewässerungsgebiet. In der Vergangenheit wurde entlang der Queich aber auch Feldbewässerung betrieben, so für den Gemüsebau in Zeiskam. Die Bewässerung wurde an zahlreichen Standorten durchgeführt: am Rehbach, in der Gemarkung Hassloch und Iggelheim, am Speyerbach, Erlenbach, Helmbach und am Breitenbach.

Bei der traditionellen Bewässerung ging es stets um Ertragssteigerung, Ertragssicherung und die Verbesserung der Futterqualität. Dies wurde durch verschiedene Wässerungs-Funktionen, die in den einzelnen Naturräumen unterschiedliche Gewichtung aufwiesen, erreicht. Erstaunlicherweise hat die traditionelle Bewässerung, und da besonders die Wiesenbewässerung, in den letzten Jahrzehnten eine gewisse Renaissance erfahren. So ist einerseits die Bewahrung von Bewässerungssystemen als Kulturerbe und anderseits die Rehabilitierung stillgelegter Bewässerungsflächen, meist in Verbindung mit Naturschutzzielen, in zahlreichen Projekten aktuell geworden. Bei den Wiederherstellungen geht es um das Potential, das diese Vorkommen künftig als Lebensräume mit hoher Biodiversität entfalten könnten.

 

 

queichwiesen aufnahme c. leibundgut 2011

Wiesen im Queichtal, Aufnahme Ch. Leibundgut, 2011.

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